Werkdetails
Zarte Stratigraphie
Vier horizontale Bänder, moduliert durch erdige Nähte, errichten eine Wand aus kalkigem Licht und mediterraner Stille.
Kuratorischer Text
Ein schmales Hochformat trägt vier gestapelte Felder, wie Wandfragmente, ausgeschnitten und mit einer nahezu liturgischen Disziplin wieder zusammengesetzt. Die Komposition gliedert sich in horizontale Schichten von weißlich-grauer Tonalität, getrennt durch erdige, körnige Linien, die als Fugen wirken und an jeder Übergangsstelle Zeit sedimentieren.
Auf der Mittelachse verläuft eine helle Naht von oben nach unten durch das Werk: Sie teilt nicht, sie vernäht. Diese leicht unregelmäßige Spur bringt eine minimale Vibration ein und humanisiert die Struktur, als erinnere sich der Bildträger an eine Falte oder an den Druck einer früheren Montage. Die Kanten jedes Bandes wirken leicht gebrochen, mit einem organischen Profil, das die perfekte Gerade meidet und die Oberfläche in einer zurückgenommenen Spannung hält.
Das Licht entsteht durch die Anlagerung von Lasuren und durch die poröse, gesprenkelte Textur, die das Weiß einfängt und matt werden lässt. In den Fugen verdichtet sich das erdige Pigment zu kleinen Partikeln und erzeugt ein dunkles Punktieren, das das Relief ohne Dramatik vertieft. Im Profil betrachtet bestätigt das Werk seine Materialität: übereinanderliegende Schichten und kaum wahrnehmbar angehobene Ränder werfen feine Schatten und machen aus der Fläche ein stilles Volumen.